Wir können Agile nicht anwenden

Wie oft habt ihr euch schon in Gesprächen und Situationen wiedergefunden, euch mit Begeisterung über Agilität ausgetauscht, festgestellt, dass das Gegenüber nicht komplett überzeugt ist und im Konsens die Unterhaltung beendet?

„Agilität macht nicht überall Sinn!“, „Wasserfälle haben ihre Daseinsberechtigung!“, „Im Endeffekt ist das eh nichts anderes als endlich mal richtig arbeiten mit ein paar Buzzwords!“ bis hin zu „Das macht in unserer Branche [Firma/Art zu arbeiten/etc.] keinen Sinn, wir können Agile nicht anwenden.“

Oft genug habe ich mich in solchen Unterhaltungen wiedergefunden. Und ohne auf die Motive der Gesprächspartner und individuellen Situationen eingehen zu wollen (Kontrollverlust, Misstrauen, schlechte Erfahgunen) bin ich der Meinung, dass sie falsch liegen.

Es ergibt am meisten Sinn Energie für die Menschen aufzuwenden die bereit sind gemeinsam voranzuschreiten, aber ein paar Werkzeuge und Argumentationen möchte ich dennoch aufzeigen.

Was antworte ich also auf „wir können Agile nicht anwenden.“?
Kommt drauf an. Oftmals hat das etwas mit existierenden Ängsten zu tun. Oder eben fehlender Vorstellungskraft, dass eine Veränderung nicht schlecht ist, sondern nach vorne bringen kann. Viel einfacher ist es aber, sich an den agilen Werten zu orientieren.

Werte

[Wir schätzen: ]

  1. Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge
    Prinzipiell ist es einfach diesen Wert zu verstehen. Menschen als wertvoller einzuschätzen als Prozesse und Werkzeuge macht schon allein deshalb Sinn, weil es Menschen sind die auf Business Needs reagieren und die notwendigen Veränderungen vorantreiben. Wieso sollte das nicht in jedem Unternehmen möglich sein?

  2. Funktionierende Software (Produkte) mehr als umfassende Dokumentation
    Kurz und knackig: Schriftstücke und Dokumentation sind sicherlich nicht unwichtig. Aber sind sie wirklich wichtiger als ein gelieferter Wert gegenüber dem Kunden? Allein aus einer Sicht der Verschwendungsminimierung ergibt das entlang der Wertschöpfungskette sicherlich auch in vielen Unternehmen Sinn.
  3. Zusammenarbeit mit dem Kunden mehr als Vertragsverhandlungen
    Im Gegensatz zum Vorgehen, dass vorab im Rahmen von Vertragsverhandlungen Liefergegenstände definiert werden, wünschen wir uns hier einen engagierten und involvierten Kunden. Dieser soll kontinuierlich mitarbeiten, Feedback geben und kommunizieren, damit die Wahrscheinlichkeit seinem Wunsch entsprechend erfolgreich zu sein deutlich erhöht wird. Dein Gegenüber hat hierfür wirklich gar keine Verwendung? Für mich schwer vorstellbar.
  4. Reagieren auf Veränderung mehr als Folgen eines Plans
    Pläne ausarbeiten kostet Ressourcen. Detaillierte Pläne welche Änderungsresistent sind noch mehr. Anstatt einem Plan stur zu folgen davon ausgehen, dass nicht alles klar sein kann. Veränderung wird eintreten, andere Lösungswege und Probleme werden sich auftun. Wenn ich hierauf gut reagiere kann ich deutlich mehr Wert liefern. Oder nicht? Immerhin hat noch kaum ein Plan während der Erstellung Wert geschöpft. Diese Energie kann ich aber auch in Änderungsfreundlichkeit investieren.

Viele Dinge sind von mir sehr plakativ und oberflächlich beschrieben und jeder einzelne Punkt könnte problemlos Stunden mit Diskussionen, Recherche und Informationen füllen. Dennoch bin ich der Meinung mit diese kleinen Denkanstößen bereits einfache Argumentationsgrundlagen bieten zu können.

Mir geht es hierbei auch nicht darum jedem Menschen Agilität ins Gesicht springen zu lassen. Dennoch glaube ich, dass der Arbeitsalltag vieler Menschen dadurch besser, erfolgreicher, freudiger und glücklicher sein kann. Darüber hinaus bedeutet Agilität auch die Betrachtung des Menschen zu verändern. Weg von einer Ressource hin zu einem aktiven und motivierten Kollaborateur. Den menschlichen Aspekt habe ich in dieser kurzen Darstellung nahezu komplett ignoriert. Wem ihr aber mit diesen vier Argumenten die Tür zur Agilität öffnen konntet, der wird sich informieren, mit euch austauschen und mit etwas Erfolg auch an den Menschen, seine Kollegen, Mitmenschen und sich selbst denken.

Über die vier Werte des Agilen Manifests hinaus, gibt es noch zwölf Prinzipien welche Ihr ebenso mit ins Gespräch bringen könnt. Mindestens ein Prinzip, einen Wert, kann jeder in seinem Umfeld Anwenden und bereits so die Tür zur Agilität öffnen.

Manchmal hilft es in solchen Situationen sich auf die Wurzeln zu besinnen, möglicherweise aus der eigenen Erfahrung mit Begeisterung anzustecken und so vielen Menschen ermöglichen ihre Sicht- und Arbeitsweisen zu ändern. Wenn man Anwendern agilen Praktiken glauben darf, dann auch deren gesamtes Leben (wäre für ein Gespräch vermutlich deutlich zu viel Erwartung).

Oder, am Ende ganz einfach, mit einem Zitat:

Doing twice as much in half the time.

– Jeff Sutherland

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