Agile Change Coaching Leadership

Servant Leader – „jaja kenn‘ ich schon“

Ich wage die Hypothese, dass wenn man sich mit Agiltät, Leadership und Coaching auseinandersetzt, man um den Begriff des „Servant Leader“ nicht herumkommt. Ich selbst habe ihn in vielen Gesprächen gehört, verwendet, interpretiert und zur Diskussion genutzt. „Mein Chef als mein Dienstleister“ ist in einzelnen Übersetzungen daraus geworden. Aber was ist ein „Servant Leader“ wirklich? Woher hat der Begriff seinen Ursprung – und warum brauchen wir mehr davon?

Bereits 1970 hat Robert Greenleaf (The Servant as Leader) den Begriff geprägt. Er beschreibt damit das Wirken von Führenden als Dienst am Geführten. Oft wird diese Beschreibung verwendet um beherrschende Maßnahmen zu rechtfertigen, da sie im „Sinne des Geführten“ aber mit „mehr Weitblick und Erfahrung“ eben auch mal „Top-Down“ erlebt werden müssen. Genau hier existiert auch die Gefahr in der Verwendung dieses Begriffs, welcher ganz klar dienendes Führen gegen beherrschendes Führen abgrenzt.

Dienendes Führen beschreibt die kompromisslose Ausrichtung der Führung auf die Interessen des Geführten. Das wiederum bedeutet Bedürfnisse anderer zu identifizieren und zu befriedigen – und das nicht ohne Grund. Die Studie „The Effect of Leadership on Job Satisfaction“ vergleicht 14 verschiedene Führungsstile im Zusammenhang mit Arbeitszufriedenheit mit einem klaren Ergebnis: Servant Leadership sorgt mit Abstand für die höchste Jobzufriedenheit. Es handelt sich also bei weitem um keinen Begriff, welcher ausschließlich den Geführten dienen soll – die Art dienend zu führen bringt alle Vorteile mit sich, die Angestellte mit sich bringen, wenn sie mit ihrer Arbeit glücklich sind.

Motivation

Servant Leadership ist dabei Teil eines größeren. Es handelt sich um keine Rolle die mit Ende der Arbeitszeit abgelegt wird. Vielmehr handelt es sich um eine Einstellung zur Zusammenarbeit mit anderen Menschen, die nichts mit Status, Geld, Rampenlicht, Anerkennung oder dergleichen zu tun hat (auch wenn es aktuell so scheint als würde große Selbstlosigkeit zu genau diesem Rampenlicht führen). Im Idealfall ist er aus seinem tiefsten Inneren heraus motiviert seinen Mitmenschen zu gutes und sinnvolles tun zu wollen.

Hypothese

Ein Servant Leader schafft eine Vertrauenskultur (Vertrauen als Fundament erfolgreicher Teams). Es entsteht Sicherheit, Gewohnheiten und schließlich die Arbeitsatmosphäre ändern sich. Hierdurch wird eine weitere Grundlage geschaffen: Mitarbeiter folgen ihrem Leader aus freien Stücken – und nicht aus linienhierarchischer Treue heraus. Sie suchen sich ihren Servant Leader aus und eine wunderbare Symbiose, in welcher der Leader seinen Anhängern dient und die Anhänger dem Leader, kann entstehen.

Gerade in den Rollen als Scrum Master oder Product Owner hat Servant Leadership eine große Bedeutung. Einhergehend mit den Fähigkeiten zuzuhören, Empathie zu zeigen, achtsam und newusst zu agieren, Überzeugungskraft auszustrahlen und sich einem Ziel und den Bedürfnissen anderer unterzuordnen, können diese Rollen erfolgreich ausgefüllt werden.

Wenn ein Leader im Anblick eines gemeinsamen Ziels seine Bedürfnisse denen seiner Mitmenschen unterordnet, entsteht Großartigkeit, werden große Ziele erreicht. Ich erinnere mich gut an die Zeit als Trainer auf dem Fußballfeld, als wir (Trainerstab & Team) es schafften eine solche Symbiose zu bilden. Das Team hat alles für den Trainer getan und der Trainer alles für das Team. Immer gemeinsam, in Abstimmung, in Kommunikation. Immer mit dem Blick auf die Bedürfnisse der Teammitglieder und nicht auf die eigenen.

Fazit

Ich wünsche jedem Menschen im privaten wie im beruflichen Umfeld eine solch motivierende Erfahrung zu machen. Wir Menschen suchen alle Sinn und können in den Bedürfnissen unsere Mitmenschen zumindest Teile dessen finden, oder eben anderen ermöglichen Ihren Sinn zu finden.

Servant Leader lieben Menschen und möchten ihnen helfen. Uns allen tut es gut uns in Selbstwahrnehmung, Weitsicht, Kollaboration, Demut, Zuhören, Vertrauen, Achtsamkeit und Integrität (entgegengesetzt Machtmissbrauch) zu üben. In einer Führungsrolle vielleicht noch eher – wobei, nein. Ich möchte jeden dazu ermutigen zumindest ein klein wenig Servant Leadership auszuüben.

„The servant-leader is servant first. It begins with a natural feeling that one wants to serve… as opposed to wanting power, influence, fame or wealth.“
– Robert K.Greenleaf

Ich meine jeder von uns kann dieses natürliche Gefühl in sich finden. Manche suchen mehr, manche weniger. Einige finden es in Relation zu ihrer Familie, andere hingegen bei wildfremden. In allen Fällen handelt es sich um einen kleinen (oder großen) Beitrag die Zeit miteinander nachhaltig zu verbessern.