Netzwerk oder bedeutungsvolle Beziehung?

In den letzten Wochen bin ich immer wieder über den Begriff „Networking“ gestolpert. Wenn ich ehrlich bin begleitet der mich bereits mein gesamtes Berufsleben. „Nur ein gutes Netzwerk bringt dich weiter.“, „Lass uns auf Event XY gehen um zu Netzwerken“. Ich mag den Begriff nicht. Ja – ich habe die Fähigkeit Begriffe auf die Goldwaage zu legen, habe hier für mich aber einen Unterschied zwischen klassischem Networking und dem Pflegen von bedeutungsvollen Beziehungen ausgemacht.

Networking bedeutet den Aufbau und die Pflege von persönlichen Kontakten. Doch was wird in unserem Alltag daraus? Visitenkartenstapel, Xing, LinkedIn – wieviele dieser Personen kennen wir tatsächlich? Wie oft haben wir beim ersten Schritt des Aufbaus des Kontakts bereits den Zähler im persönlichen Netzwerk um eins erhöht und aufgehört?

Ich habe für mich neben Netzwerken den Begriff von bedeutungsvollen Beziehungen identifiziert. Dieser Begriff bringt mich dazu Beziehungen qualitativ über quantitativ zu bewerten. Eine bedeutungsvolle Beziehung ist eine Beziehung die ich pflege, pflegen muss, aber auch pflegen will. Sie ist niemals nur einseitig, sie ist ein Zugewinn für beide Parteien.

Networking ist für mich das Synonym bedeutungsloser, ausschließlich quantitativ bewerteter Beziehungen geworden. Ich möchte natürlich nicht erreichen, dass es das für alle anderen Menschen auch wird. Ich möchte erreichen, dass ein Netzwerk aus bedeutungsvollen Beziehungen besteht. Beziehungen die mein Leben und meinen Alltag bereichern, teil dessen werden können. Beziehungen in denen ich gleichermaßen gerne gebe und helfe wie auch empfange.

Das bringt automatisch weitere Effekte mit sich. Eine Beziehung zu pflegen und ihren Wert zu erhalten kostet Zeit und Energie. Es bedarf Aufmerksamkeit, bewussten Handelns. Es bedeutet für mich auch ein gewisses Maß an Beitragen ohne die Erwartung zur Gegenleistung. Eigene Expertise nur um zu Helfen zur Verfügung stellen, kostenlos. Ich bin der festen Überzeugung, dass das ein Baustein in ein bewussteres Leben und Beziehungführen ist. Beruflich aber auch privat.

Schnell komme ich in die Situation, dass ich ein qualitatives Zugewinnnetzwerk für mich erstelle. Jeder kann von jedem profitieren. Sharing is caring wird von der Floskel zum Kern einer Denkweise, welche ich persönlich mit bedeutungsvollen Beziehungen in Verbindung setze. Nicht zuletzt deshalb ist meiner Meinung nach u. A. Working out Loud zu so einem großen Erfolg geworden. Menschen scheinen sich inmitten vieler Floskeln und oberflächlichen Begegnungen nach Wert, Bedeutung und Sinn zu sehnen. Auch – oder gerade insbesondere in den Beziehungen die sie pflegen.

Ich wünsche mir mehr Mut zu bedeutungsvollen Beziehungen, mehr Mut dazu zu akzeptieren wenn eine Beziehung diese Kriterien nicht erfüllt und Ressource und Kraft an jenen Beziehungen raubt die uns helfen. Mehr Mut Bedeutung und gegenseitigen Zugewinn zu ermöglichen und zu suchen.

You may also like...

Wir nutzen Cookies auf unserer Website

Bitte bestätige die Nutzung von Tracking-Cookies. Natürlich kannst Du diese auch ablehnen und meine Website besuchen ohne, dass Daten an Dritte weitergegeben werden.