Arbeit ändert sich, Chef! Lass uns dabei sein.

Arbeit im digitalen Zeitalter verändert sich. Der Umgang mit Zeit, Ort, Art und Weise sowie Inhalt hat oftmals nichts mit den Veränderungen der Industrialisierung zu tun. Wenn wir die Veränderungen der Arbeitswelt betrachten, können wir plakativ folgende Bewegung beobachten:

Vor der Industriellen Revolution war die Arbeit oftmals dezentral und individuell organisiert. Wichtig war das Resultat: Eine Familie baut ihre Verpflegung selbst an, erntet und konsumiert sie. Der Zeitdruck war ausschließlich durch knurrende Mägen vorhanden, aber kein Chef, kein dezidierter Ort, nur Resultat. Wie angebaut wurde, war im Eigeninteresse am Resultat.

Zur Industriellen Revolution bewegten sich die Menschen zunehmend weg von zu Hause. Ran an die großen Produktionsstraßen. Arbeit wurde zentralisiert und organisiert. Hierarchisch und für alle. Noch heute klingt aus dieser Zeit nach: Anwesenheit = Arbeitszeit, hierarchische Organisation, Stechuhren, geregelte Pausen.

Heute haben zumindest Denkarbeiter bereits die Chance wieder dezentral zu arbeiten. Ergebnisorientiert und selbstorganisiert. Dennoch, befinden wir uns hier mitten im Wandel. Wie gehen wir nun mit dem Thema Anwesenheit um? Kann ich vierzig Stunden die Woche wirklich effektiv arbeiten? Wie kann ich diesen Wandel weiter treiben, herausfinden was passt?

Umgang mit der Zeit

Psychologe Ron Friedman, hat in einem Interview mit dem Harvard Business Report wiedergegeben, dass die meisten Menschen über ein Zeitfenster von maximal drei Stunden pro Tag verfügen, an dem sie wirklich konzentriert arbeiten können – im Flow sind.

Der Blog von RescueTime schreibt in einem Artikel über die Analyse von 225 millionen Arbeitsstunden, dass Wissensarbeiter (Denkarbeiter, jemand der seinen Lebensunterhalt mit Gedanken-/Kopfarbeit verdient) im Durchschnitt 12,5 produktive Stunden pro Woche leistet. Ron Friedman und RescueTime kommen also auf ein ähnliches Ergebnis von 2,5 – 3 Stunden pro Tag produktives Arbeiten.

Damit sind wir von den kolportierten 40 Stunden meilenweit entfernt. Unter Anderem als Reaktion auf solche Hinweise und eigene Motivation hat Lasse Rheingans (Geschäftsführer einer Agentur) seinen Mitarbeitern die 25-Stunden-Woche vorgeschlagen: Mit Erfolg.

Viele von uns sind für einen bestimmten Zweck, ihre Kernarbeit eingestellt worden. Code, Designen, Schreiben oder sonstiges. Wieviel davon tun wir innerhalb einer Woche wirklich?
Angenommen wir verbringen 15% in Meetings, 25% – 30% Kommunikation, 40% unserer produktiven Zeit verbringen wir dann noch mit Multitasking, was bleibt? Mit dieser Rechnung bleiben uns pro Tag (bei 8 Stunden Arbeit, Pausen nicht mit einkalkuliert), ca. 2 Stunden produktive Arbeit. D.h. selbst wenn wir in der Lage wären 8 Stunden produktiv zu arbeiten, würden wir auf maximal 2 Stunden kommen. Dass die verbliebenen 6 Stunden an unserer Konzentration und Motivation zehren noch nicht einmal berücksichtigt.

Psychologe Daniel Kahneman hat den Begriff des Planungsfehlschlusses geprägt. Das ist die Tendenz eines Menschen anstehende Arbeiten und Aufgaben überoptimistisch zu planen, wenn es darum geht die Zeit abzuschätzen. Um Zeit bedeutungsvoller und intensiver zu nutzen gilt es diesen Fehlschluss mit in Betracht zu ziehen.

Insgesamt zeigen die vorhergehenden Absätze meiner Ansicht nach, dass die Art und Weise wie wir in unserem Arbeitsalltag mit Zeit umgehen dringend überdacht werden müssen – oder einfach etwas neues ausprobiert?

Umgang mit dem Ort

Ja natürlich, gibt es sie. Die Branchen und Berufe die ein dezentrales Arbeiten (noch) unmöglich machen. Es gibt aber im Bereich der Wissensarbeiter auch genügend die es ermöglichen.

Ich war schon in der glücklichen Lage Menschen kennengelernt zu haben die mit völliger Selbstverständlichkeit die Meinung vertreten: „Laptop und Simkarte, was sonst brauche ich zum Arbeiten?“. Zugegebenermaßen in der Softwarebranche. Aber warum nicht? Die Auswirkungen welche dieses zentralistische Arbeitsmantra mit sich bringen sind für unsere gesamte Gesellschaft verheerend.

Die Staus jeden Morgen auf der Straße könnten bei festen Kommunikations und OnSite Tagen (möglicherweise 2 pro Woche?) deutlich reduziert werden. Mitarbeiter könnten aktiv am Familienleben teilnehmen. Work-Life würde tatsächlich eine echte Balance erlauben, warum auch nicht im Wechselspiel? Sind wir doch ehrlich zu uns. Neben dem Schlafen ist die Arbeitszeit die einzige Zeit am Tag welcher wir einen so hohen Stellenwert einräumen, dass sie nach Möglichkeit weder geographisch noch temporär unterbrochen werden soll.

Das wirft wiederum weitere Fragen auf. Zum einen, wenn die Arbeitszeit einen so hohen Stellenwert genießt, nutzen wir sie dann auch dementsprechend? Und zum anderen, sollte sie diesen Stellenwert wirklich genießen? Mit dem Blick auf unser Leben, Selbstverwirklichung, Bedeutung und Sinn, finden wir in dieser Art und Weise zu Leben unser Glück? Ich möchte das an dieser Stelle zumindest in Frage stellen.

Umgang mit unseren Fähigkeiten

Wir bilden uns regelmäßig weiter, jedenfalls in einer idealen Welt. Aber wann? Und wie? Weiterbildung und Investition in die eigenen Fähigkeiten kostet Geld, Kraft und Ausdauer. Bereits heute gibt es Unternehmen welche Konferenzen und Weiterbildungen frei ermöglichen.

Oftmals verstecken diese Möglichkeiten sich aber noch hinter Hürden. Maßnahmen müssen mit dem aktuellen Karrierepfad übereinstimmen, dem Unternehmen direkten Mehrwert liefern, einen Rückfluss in den Betrieb sicherstellen, wirtschaftlich sein. Die Nachweise darüber und damit verbundene Arbeit liegen oftmals beim Angestellten.

Aber was wenn ich meinem Angestellten ermögliche sich so zu entwickeln wie er es sich wünscht? Oder fix 20% der Arbeitszeit für Weiterbildung einrichte? Einen Blue Friday zum Beispiel, den jeder Mitarbeiter für sich, bezahlt, zur Weiterbildung nutzen kann.

Fachfremde Gebiete bieten natürlich die Gefahr, dass Mitarbeiter eine Leidenschaft oder Richtung für sich entdecken die nicht mit den strategischen Zielen des Unternehmens übereinstimmt. Aber möchte ich als Unternehmen, Mitarbeiter die nicht wirklich intrinsisch motiviert für mich arbeiten überhaupt beschäftigen? Im Idealfall stelle ich mir doch eine Menge an Menschen vor die von sich aus freudig und motiviert dem Unternehmenserfolg zuarbeiten, weil sie darin Erfüllung und Bestimmung für sich sehen. Fachfremde Gebieten bieten darüber hinaus aber noch eine weitere „Gefahr“: Der Mitarbeiter kommt mit neuen Ideen und Motivationen aus seiner Fortbildung oder Konferenz zurück.

Starte die Veränderung

„Halte Dich an Regeln“, „Wenn Du unter dem Radar fliegst, fällst Du nicht auf und genießt alle Freiheiten“. Fühlst Du Dich in diesen Aussagen wohl? Stimmen sie mit Deinen Werten überein? Fortschritt und Entwicklung wird immer nur dann erzielt, wenn wir uns aus unserer Komfortzone heraus bewegen. Dazu gehört es auch Dinge anzusprechen, zu hinterfragen.

Viele Menschen, denen ich begegne sind von einer Sehnsucht nach Sinn und Bedeutung getrieben und bezeichnen Ihr berufliche Situation als nicht zufriedenstellend. Aber was hindert Dich daran Dinge anzusprechen, Gegenvorschläge einzubringen, Denkmuster zu durchbrechen und Beispiele zu liefern?

„Was soll ich denn ausrichten?“ – Am Besten damit starten sich nicht durch eine Frage schon zu Beginn zu entmachten. Gestalte Deine Welt, breche Regeln, hinterfrage, schlage vor und verändere.

Bist Du Rule Breaker oder Rule Follower? Kennst Du noch Lemmings? Klingt das für Dich erstrebenswert? Gestalte Deine Zukunft mit. Rule Breaker zeichnen sich dadurch aus, dass Sie nicht um Erlaubnis fragen, sondern sich im Fall des Scheiterns entschuldigen, Sie investieren sich persönlich und lassen sich nicht durch die existierende Welt aufhalten. Status Quo oder die Meinung Dritter interessiert sie wenig. Natürlich macht das nicht nur Freunde. „Aber“ – kennen diese Menschen nicht, sie sind von Visionen getrieben und sind neugierig und begeistert. Wichtig, sie suchen keinen Streit, sind nicht auf Gewalt aus: Sie wollen die Welt verbessern.

Nimm nicht alles als gegeben und gehe mit Rückschlägen um. Bilde Dir eine echte eigene Meinung und sei mutig. Vernetze Dich und spreche mit Leuten die nicht unbedingt Deiner Meinung sind und bleibe Neugierig, frage „warum“. Fordere den Status Quo heraus und starte keine Verpflichtung sondern Motivation zu spüren.

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